Das Dorf St. Leonhard

Das ursprüngliche Dorf St. Leonhard gruppierte sich um den heutigen Leonhardsplatz und bestand bis 1809 aus insgesamt 8 Häusern.
Direkt an die Kirche, die dem Dorf den Namen gab, war der "Siechkobel" angebaut. Heute würde man "Hospitz" dazu sagen. Er ist der Anbau rechts neben dem Türmchen. Er war mit einer Schiebetür aus Holz mit dem Chorraum verbunden, damit die Kranken dem Gottesdienst aus ihren Betten beiwohnen konnten. 

Nürnberg St. Leonhard um 1699

In Nürnberg wurden im 13. und 14. Jahrhundert an den Reichsstraßen, die sich in Nürnberg kreuzten, vier Siechenkobel gegründet. 
Dort wurden in sicherer Entfernung zu Nürnberg (½ Stunde Fußweg vor der Stadt) die Sondersiechen (= Aussätzige, Leprakranke, Pestkranke) untergebracht.
Mit regelrechte Totenmessen wurden die noch lebenden Kranken aus der Gesellschaft ausgegrenzt, um die Gesunden von ihnen zu schützen.

Der Aussatz wurde als Strafe Gottes für ein böses und sündiges Leben verstanden.
Nachdem 1806 die Stadt finanziell ruiniert war, wurde die reiche religiöse Stiftung aufgelöst.

Neben der Kirche gab es auch stets ein Wirtshaus, das im 18. Jahrhundert sogar von dem Leonharder Pfarrer betrieben wurde. Später wurde es zu Gaststätte „Leonhardspark“. Bilder unten.

 

Das Wirtshaus wurde leider nach dem 2. Weltkrieg abgerissen. Die Proteste der Kirchengemeinde halfen nichts, so steht heute an dieser Stelle die architektonisch umstrittene Sparkasse.